Natürliche Geburt – wie viel Natur darf noch sein?

Wir kommen als natürliche Wesen auf diese Welt. Aber wie natürlich dürfen wir überhaupt noch geboren werden?

In meinem letzten Blog «VOLLKOMMEN GEBOREN – ZUM FUNKTIONIEREN ERZOGEN» habe ich darüber geschrieben, wie wir bereits als Kinder lernen, uns anzupassen und zu funktionieren. Doch inzwischen beschäftigt mich eine noch viel grundsätzlichere Frage: Beginnt diese Entfremdung von unserer Natürlichkeit möglicherweise schon bei der Geburt?

Gestern habe ich angefangen, das Buch «Der Zauber der Natürlichen Geburt» von Frank-Robert Belewsky zu lesen. Bereits nach den ersten Seiten war ich fasziniert und gleichzeitig erschüttert. Nach rund zwanzig Jahren, in denen ich mich intensiv mit Gesundheit, unserem Körper und den Zusammenhängen zwischen Natur und Bewusstsein beschäftige, begegnet mir hier erneut eine Sichtweise, die unser gewohntes Weltbild gehörig ins Wanken bringt.

WANN HABEN WIR AUFGEHÖRT, DER NATUR ZU VERTRAUEN?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der eine Geburt fast selbstverständlich in einem Krankenhaus stattfindet. Künstliches Licht, fremde Menschen, technische Überwachung und medizinische Abläufe gehören für viele zum normalen Beginn eines Menschenlebens.

Aber seit wann ist eine Geburt eigentlich eine Krankheit?

Natürlich gibt es Situationen, in denen medizinische Hilfe Leben rettet. Doch ich frage mich, weshalb wir den weiblichen Körper und seine natürlichen Fähigkeiten so häufig unter den Generalverdacht stellen, ohne technische Kontrolle nicht zuverlässig funktionieren zu können.

Wie viel Angst haben wir Frauen über Generationen vermittelt? Wie viel Vertrauen in ihren eigenen Körper ist dabei verloren gegangen? Und weshalb wird eine selbstbestimmte, möglichst ungestörte Geburt noch immer so oft als Ausnahme betrachtet?

DIE FLAMME IN UNSEREM HERZEN

Besonders berührt hat mich Belewskys Beschreibung einer fünften Herzkammer, in der nach seiner spirituellen Vorstellung eine göttliche Flamme brennt. Er verbindet diese Flamme mit unserer ursprünglichen Lebenskraft und unserem Bewusstsein.

Ob wir dieses Bild wörtlich oder symbolisch verstehen, für mich öffnet es eine wichtige Frage: Sind wir Menschen nicht wesentlich mehr, als ein Körper, der medizinisch vermessen, untersucht und behandelt werden kann?

Ich bin überzeugt, dass wir geistige Wesen sind, die hier auf der Erde menschliche Erfahrungen machen. Und dass wir vieles von unserer ursprünglichen Verbindung zum Leben verloren haben, weil wir gelernt haben, dem Wissen von aussen mehr zu vertrauen als unserer eigenen Wahrnehmung.

Dabei geht es mir nicht darum, jede medizinische Erkenntnis abzulehnen. Aber ich weigere mich, den Menschen ausschliesslich auf seine messbaren körperlichen Funktionen reduzieren zu lassen.

WER BESTIMMT ÜBER UNSERE KINDER?

Belewsky geht in seinem Buch weit über die Geburt hinaus. Er stellt auch medizinische Eingriffe im frühen Kindesalter und den Umgang mit Nabelschnur und Plazenta grundsätzlich infrage.vBesonders seine Kritik an Impfungen teile ich auch seit Jahren und vermisse immer noch die wirkliche Aufklärung und das Eingestehen der Schulmedizin über die massiven Impfnebenwirkungen.

Auch die Plazenta ist für mich weit mehr als etwas, das nach der Geburt möglichst rasch entsorgt werden soll. Sie hat das Kind während seiner Entwicklung versorgt und war Teil einer einzigartigen Verbindung zwischen Mutter und Kind. Weshalb sprechen wir so wenig darüber, was nach der Geburt mit ihr geschieht? Weshalb wissen viele Eltern nicht, welche Möglichkeiten sie haben?

Ich wünsche mir Eltern, die Fragen stellen, sich umfassend informieren und Verantwortung übernehmen. Nicht aus Angst, sondern aus Bewusstsein.

WIR MÜSSEN UNSER MENSCHENBILD HINTERFRAGEN

Was mich an diesem Buch am meisten bewegt, ist seine grundsätzliche Botschaft: Die Art, wie wir geboren werden und wie wir anschliessend mit Kindern umgehen, hat eine tiefere Bedeutung, als wir ihr gesellschaftlich zugestehen.

Für mich kommt jedes Kind als vollkommenes Wesen auf diese Welt. Nicht als leeres Gefäss, das wir mit Wissen füllen müssen, und auch nicht als unfertiger Mensch, den wir nach unseren Vorstellungen formen sollen. Und trotzdem beginnen wir früh damit, Kinder an unsere Erwartungen anzupassen. Zuerst bestimmen wir über ihren Körper, später über ihr Verhalten und schliesslich darüber, was sie wann lernen müssen.

Ich habe selbst fast fünfzig Jahre gebraucht, um mich aus vielen dieser Konditionierungen zu befreien. Und genau deshalb macht mich dieses Thema so wütend.

Wie viele Generationen wollen wir noch damit verbringen, Menschen zuerst von ihrer Natürlichkeit zu entfremden, damit sie später mühsam wieder zu sich selbst finden müssen?

Ich wünsche mir, dass wir endlich beginnen, grundlegend umzudenken. Dass wir Frauen wieder mehr Vertrauen in ihre Geburtskraft ermöglichen, Kinder als eigenständige Wesen achten und die Natur nicht länger als etwas betrachten, das ständig korrigiert werden muss.

Das Buch «Der Zauber der Natürlichen Geburt» von Frank-Robert Belewsky ist seit kurzem in unserem Zuvuya Flow Shop erhältlich. Ich bin selbst erst am Anfang der Lektüre und werde mich mit seinen spannenden Aussagen weiter auseinandersetzen. Schon jetzt weiss ich aber, dass es Fragen aufwirft, über die wir dringend sprechen sollten.

Denn wenn wir eine andere Welt wollen, sollten wir endlich damit beginnen, anders über den Anfang des Lebens nachzudenken.

Silvia Jäggi | Gesundheitsforscherin
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